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20 JAHRE UNABHÄNGIGE PATIENTENFÜRSPRACHE IN DEN STÄDTISCHEN KLINIKEN MÜNCHENS

Auf dem Festakt am 26.1. 2017 im Hörsaal des Klinikums Bogenhausen wurde dieses unabhängige Modell der Patientenfürsprache überschwenglich gelobt. Auch weitere gute Modelle aus Bayern wurden vorgestellt. Langjährige PatientenfürsprecherInnen wurden für ihr Engagement geehrt. Auf der Podiumsdiskussion wurde insbesondere die Frage diskutiert, ob ein Gesetz zur Einrichtung der unabhängigen Patientenfürsprache mehr Verbindlichkeit schaffen würde. Derzeit gibt es in Bayern ein freiwilliges Modell basierend auf einer Rahmenempfehlung des Gesundheitsministeriums und der Krankenhausgesellschaft.
Hier finden Sie die Ausstellungstafeln mit Interviews und Hintergrundinformationen zur Patientenfürsprache:
gl-m.de/uploadspublic/20%20Jahre%20PlakateA3.pdf

 

Auf dem Foto: Zwei ehemalige (Hermann Schulte-Sasse, Joachim Lorenz) und die aktuelle Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs.

 

Ehrung der langjährig Aktiven:

 

 

 

Teilnehmende an der Podiumsdiskussion 20 Jahre PFS:
Dr. Gabriele Hartl (Gesundheitsministerium), Stephanie Jacobs (Münchner Gesundheitsreferentin), Ursula Baer (Patientenfürsprecherin Klinikum Schwabing), Claudia Gall-Keyser (Patientenfürsprecherin Uniklinikum Erlangen), Herbert Roth (Patientenfürsprecher Haßberg Klinikum)

 

 

Rezepthandel - Symptom eines korrupten Gesundheitswesens?

Rezeptdatenhandel - Symptome eines korrupten Gesundheitswesens?!“

Dass der Handel mit Patienten- und Arztdaten nur eines der Symptome einer systemischen Korruption unseres Gesundheitswesens ist, stellte Wolfgang Wodarg, von Transparency International (Präsident der Rheumaliga Schleswig-Holstein, ex-MdB) in einer gut besuchten Veranstaltung am 5.2.14 im GL mit seinen Ausführungen anschaulich dar.

Er näherte sich dem Thema zunächst über die Definition des Begriffs Korruption. Die Arbeitsdefinition des Begriffs Korruption von Transparency ist: Der Missbrauch von anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil.

 Die Kernfrage lautet dann, was im Gesundheitswesen das „Anvertraute“ ist?

Diese Frage beantwortet Wodarg folgenderweise: Der Selbstverwaltung und ihren Vertragspartnern sind anvertraut

- über 200 Milliarden Euro

- die Gesundheitspflege für 70 Millionen Menschen

- intime Gesundheitsdaten

- Blut-, Gewebe und Organspenden sowie

- Teilhabe-Chancen und -Rechte

 

Im Gesundheitswesen gibt es Primär- und Sekundärinteressen. Die Primärinteressen bezeichnet Wodarg als das „Wohlergehen von Patienten, ein effizienter Ressourceneinsatz, eine offene, kritische Forschung und Lehre“. Sekundärinteressen sind „u.a. der Wunsch nach finanziellem Vorteil, Karriere, Anerkennung, besonderer Unterstützung, Privilegien.“

Naheliegend sind Interessenkonflikte, die das Risiko bergen dass „anvertrautes Urteilen und Handeln für ein primäres Interesse durch sekundäre Interessen unangemessen beeinflusst werden.“

 

Der Versicherte/Patient erscheint in diesem Zusammenhang einmal als Last und einmal als Gewinnquelle, je nachdem aus welcher Perspektive er betrachtet wird. Aus Sicht des öffentlichen Gesundheitswesens ist ein teurer Versicherter eine Last aus Sicht der Wirtschaft eine lukrative Einkommensquelle.

Schieflagen der vorhandenen Sichtweisen und unterschiedlichen Interessen könnten auf der Grundlage von Transparenz, (=  einem Verhältnis, bei dem gegenseitige Prüfungen jederzeit möglich sind und somit Misstrauensaufwand durch Vertrauen ersetzt werden kann) vermieden werden.

Ein wichtiger Wachstumsmarkt unserer Gesellschaft ist die Daten- und  Informationsbeschaffung im Gesundheitswesen, denn Daten sind gefragt und für sehr unterschiedliche Interessenten (Krankenkassen, Pharmaunternehmen, Ärzte, Krankenhäuser etc... ) sehr wertvoll. Daten sind wichtige Marketing und Steuerungsinstrumente, sie bieten die Grundlage für neue Märkte und Angebotskonzepte sowie damit verbundene Gewinne.

Der Verkauf von Rezeptdaten ist da nur eine Ausprägung einer gigantischen Datenschieberei.

Fazit des Abends: Ein gut strukturierter und Übersicht bringender Vortrag eines sach- und fachkompetentes Referenten, der anschaulich und verständlich die Hinter- und Vordergründe des  Datenhandels aufzeigte. Vielen Dank dafür!

 

Adelheid Schulte-Bocholt

 

Die unveränderten Folien zum Vortrag finden Sie hier

 

Dank an Herrn Wodarg, der dieser Veröffentlichung unter Beachtung der Regeln nach der
Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 zustimmte und damit  auch weiteren InteressentInnen den Zugang zu seinen wichtigen Informationen ermöglicht. 

 

Die 2 Seiten der elektronischen Gesundheitskarte

Der Vortrags- und Diskussionsabend

fand am 30.11. 2012 im Anton-Fingerle-Bildungszentrum München statt.

 

 

Sie finden hier

  • die Handreichung des Gesundheitsladen hier
  • den Vortrag von Michael Bialek hier
  • den Vortrag von Dr. med. Siegfried Jedamzik hier
  • den Vortrag von Jan Kuhlmann hier

 

 (Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

 

Am Ende der Veranstaltung überreichte Adelheid Schulte-Bocholt vom GL ein kleines Dankeschön.

v.l.n.r.: Jan Kuhlmann, Moderatorin Carola Sraier, Siegfried Jedamzik, Michael Bialek